Matthias Tillmann im Schalke-Update

„Viele Dinge sind in Bewegung“

Im neuen YouTube-Interview „Viele Dinge sind in Bewegung“ spricht Vorstandsvorsitzender Matthias Tillmann ausführlich darüber, wo der FC Schalke 04 sportlich und wirtschaftlich steht – und wie es in den nächsten Jahren weitergehen soll. Wir haben die wichtigsten Aussagen für euch zusammengefasst und mit Zitaten von Matthias angereichert.

„Bis jetzt war es eine sehr erfolgreiche Saison. Klar, der Sport dominiert alles – und den sportlichen Erfolg, den haben wir so nicht erwartet.“

Nach dem 26. Spieltag grüßt Schalke von Platz 1, Heimspiele sind praktisch ausverkauft, Auswärtsblöcke voll, Hospitality-Bereiche dicht und über 60 neue Partner sind dazugekommen. Tillmann macht im Video klar: Das ist kein Zufallsprodukt, sondern Ergebnis harter Arbeit in den letzten 18 bis 24 Monaten.

Vom Stabilisieren zum Gestalten

Schalke kam aus einer extrem schwierigen Phase, sportlich wie wirtschaftlich. Für Tillmann war deshalb der erste Auftrag klar: Stabilität zurückgewinnen.

„Ganz wichtig war erstmal, den Verein zu stabilisieren. Wir mussten ein Fundament legen, um darauf dann aufbauen und gestalten zu können. An dem Punkt kommen wir so langsam.“

Im Sport bedeutete das: klare Spielidee, Schalke-DNA konkret definieren, Daten und Technologie gezielt nutzen und Trainer sowie Spieler passend zu diesem Profil auswählen.

„Wir haben gesagt, wir brauchen eine Spielidee. Wie wollen wir als Verein agieren, wie nutzen wir Daten besser, wie können wir die technologischen Tools, in die wir investiert haben, noch besser nutzen? Trainer danach ausgesucht, Spieler dazu geholt.“

Parallel liefen im Hintergrund Themen wie Anleiheplatzierung, Ausbau von Hospitality-Bereichen, Mediahaus und Sponsoring-Strukturen – das wirtschaftliche Fundament, das man im Stadionalltag nicht immer sofort sieht.

Ziele: Aufstieg, Klassenerhalt – und mehr Schalkerlebnis

Kurz- bis mittelfristig ist die Marschroute klar: hoch und oben bleiben.

„Kurz- bis mittelfristig ist das Ziel die nachhaltige Rückkehr in die Bundesliga – aufzusteigen und drin zu bleiben. Dafür müssen wir zusätzlich in den Sport investieren, in die Mannschaft, aber auch in die Strukturen.“

Gleichzeitig denkt Tillmann deutlich über den Spieltag hinaus. Die Arena wird 25 Jahre alt, das Berger Feld liegt als großes Potenzial quasi vor der Haustür.

„Wenn man heute eine neue Arena bauen würde, würde man schon ein paar Dinge anders machen. Auch in der bestehenden Arena können wir einen Schritt nach vorne machen – Digitalisierung, was passiert vor und nach dem Spiel, unser Vereinsgelände Berger Feld.“

Das Stichwort, das er dafür nutzt: Schalkerlebnis – das ganze Drumherum aus Begegnung, Stadiongefühl, Vereinsgelände und Leben in Gelsenkirchen.

Knappenschmiede als größter Hebel

Sehr viel Raum im Interview nimmt die Knappenschmiede ein. Für Tillmann ist sie einer der größten Hebel, um Schalke dauerhaft erfolgreicher und unabhängiger zu machen.

„Die Knappenschmiede war immer eine Riesenstärke von uns, ein Wettbewerbsvorteil. Spieler selbst auszubilden schafft Kaderwerte, zahlt direkt auf den sportlichen Erfolg ein und fördert Identität.“

Er nennt Beispiele wie Timo Becker, Vita Becker, Merchan Aihan oder Mika Valentiz – Spieler, die Fans und Mannschaft noch enger zusammenbringen.

„Das schweißt Mannschaft und Fans zusammen. Das macht so einen Club wie Schalke stark. Wir waren 2014 in der Lage, vier Spieler für die Weltmeistermannschaft zu stellen. Auf diesem Topniveau auszubilden – dahin wollen wir wieder.“

Damit das gelingt, braucht es Investitionen in Talente, Scouting, Strukturen und Infrastruktur der Knappenschmiede.

Genossenschaft statt Investor: Die eigene Arena hebeln

Die Kernfrage des Interviews: Woher kommt das zusätzliche Geld für all diese Pläne? Tillmann skizziert drei theoretische Wege – und zwei davon schließt Schalke bewusst aus.

„Im Prinzip gibt es drei Optionen: Ausgliederung und Investoren, Verkauf von Tafelsilber – oder die Arena hebeln. Die ersten beiden Wege wollen wir nicht, weil sie dem widersprechen, wofür wir stehen: unabhängig sein, 100% Mitgliederführung, selbst bestimmen, wo wir hin wollen.“

Bleibt Option drei: Die Arena als größtes Asset „hebeln“ – aber nicht, indem man an Dritte verkauft, sondern an die eigene Schalker Gemeinschaft, organisiert in der Genossenschaft.

„Dafür haben wir vor einem Jahr die Genossenschaft gegründet. Wir haben 5,4% der Arena an die Genossenschaft verkauft. Dadurch ist frisches Geld in den Verein gekommen, und trotzdem bleibt die Arena in der Hand der Mitglieder.“

Perspektivisch will der Vorstand bis zu 49% der Stadiongesellschaft an die eG geben.

„Wenn wir perspektivisch bis zu 49% der Anteile an die Genossenschaft verkaufen, bleibt die Arena weiter zu 100% im Besitz der Mitglieder. Wir behalten die Kontrolle, können aber die Substanz nutzen, um frisches Geld für Sport und andere Bereiche zu bekommen.“

Gemeinschaft als Alleinstellungsmerkmal

Besonders emotional wird es, als Tillmann über die Bilder hinter der Nordkurve und die Auswärtsfahrer spricht.

„Wenn ich die Bilder nach den Spielen sehe, insbesondere nach Siegen hinter der Nordkurve – da geht das Herz auf. Wir sind nicht nur groß, wir sind eine Gemeinschaft.“

Schalke mobilisiert – trotz Zweitligajahre – regelmäßig mehr Auswärtsfahrer als Clubs wie Borussia Dortmund oder Bayern München.

„Das darf man nicht als gegeben hinnehmen. Wir müssen die Rahmenbedingungen schaffen, dass die Leute genau diese Begegnungen und Erlebnisse zusammen haben können. Wenn wir das hinbekommen, wird uns das deutlich von anderen Vereinen abheben.“

Tillmanns Rolle und der Blick nach vorn

Tillmann erklärt im Video auch seinen Schritt, sich nach der Aufbauphase der Genossenschaft aus der operativen Verantwortung dort zurückzuziehen.

„Am Anfang ist viel Arbeit nötig, um das Ganze in Gang zu bringen. Klar war aber auch: Wenn wir diese Phase geschafft haben, ziehe ich mich zurück und gucke, dass wir e.V. und eG weiter in Einklang bringen – operativ brauchen wir dann auf Genossenschaftsebene andere Leute, die die nächsten Schritte gehen.“

Optimistisch macht ihn das Zusammenspiel aus Potenzial des Vereins, der Fanbasis und der inzwischen geleisteten Grundlagenarbeit.

„Schalke kann auf Dauer kein Zweitligist sein. Wir sehen, dass wir immer mehr Geschwindigkeit aufnehmen, weil viel harte Arbeit getan ist. Selbst wenn uns der Aufstieg gelingt, wird es genauso hart – nur mit dem Ziel, die Klasse zu halten.“

Und natürlich formuliert er auch den Wunsch, den wir alle haben:

„Natürlich wollen wir perspektivisch wieder ein Derby auf Augenhöhe spielen. Die Power hat der Verein, das wissen wir. Wenn wir im Sport und in anderen Bereichen konsequent weiterarbeiten, sehe ich uns genau darauf zulaufen.“

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